Alive, Despite Everything (2025)

Videoloop, 4:57 Min.
Projektionsgröße variabel
Sound: Tara Cunningham.

Die Projektion wird von zwei Röhrenmonitoren begleitet, auf denen der Text erscheint:
„I am more than that. I am alive despite everything.“

Ausgangspunkt ist eine statistische Grundlage: Im Jahr 2023 registrierte das Schweizer Bundesamt für Statistik 322 Straftaten, die aus rein misogynen Motiven begangen wurden. Zudem ergaben dieselben Erhebungen, dass jede dritte Frau im Laufe ihres Lebens von sexualisierter oder physischer Gewalt betroffen ist. Ebenfalls wurden insgesamt 2097 Kinder im Jahr 2023 wegen Misshandlungen in Kinderkliniken behandelt. Alive, Despite Everything ist all jenen gewidmet, deren Alltag durch traumatische Erfahrungen infolge physischer, psychischer oder sexualisierter Gewalt geprägt ist. Zwar existieren zahlreiche dokumentarische Formate, die das Thema ernsthaft und informativ behandeln, doch häufig werden Betroffene ausschließlich über ihre Rolle als Opfer definiert. Diese Reduktion blendet die Momente aus, in denen Resilienz, Selbstermächtigung und Normalität sichtbar werden. Genau an diesem Punkt setzt die Arbeit an: Über zwei Jahre hinweg sammelte ich dokumentarisches Found-Footage- Material, das ursprünglich physische, psychische oder sexualisierte Gewalt gegen Frauen thematisierte. Aus diesem Rohmaterial extrahierte ich gezielt jene Sequenzen, in denen Frauen nicht als Opfer, sondern als handelnde Subjekte in alltäglichen, selbstbestimmten und lebensbejahenden Situationen erscheinen. Durch diese bewusste Fokussierung entsteht eine subtile Dialektik zwischen der impliziten Präsenz und der visuellen Abwesenheit des erfahrenen Leids. Das Trauma bleibt intuitiv wahrnehmbar, ohne visuell explizit gezeigt zu werden. Stattdessen treten Gesten der Fürsorge, Bewegungen in Freiheit, Erinnerungen und Momente innerer Ruhe in den Vordergrund – sie erzeugen eine Atmosphäre von Vitalität und Widerständigkeit. Technisch wurden die ausgewählten Sequenzen Bild für Bild als Positive auf fotografischen Film belichtet. Diese Positivbilder bildeten die Grundlage für Cyanotypien, die anschließend digitalisiert und zu einer mehrkanaligen Videoarbeit montiert wurden. Der hybride Prozess zwischen analoger und digitaler Technik verweist auf den fragmentarischen, vielschichtigen Charakter von Erinnerung und die veränderte Wahrnehmung nach traumatischen Erfahrungen.

Die Installation zeigt Menschen, die Krisen oder sexualisierte Gewalt überlebt haben, ohne sie auf ihr Trauma oder eine Opferrolle zu reduzieren. Stattdessen treten Momente von Selbstbestimmung, Ruhe und alltäglicher Präsenz hervor. Despite Everything fragt danach, was es bedeutet, trotz der Schwere des Lebens im Sein zu bleiben und welche Leichtigkeit selbst dort entstehen kann, wo Belastung fortbesteht